Das humanistische Menschenbild sieht in jedem einzelnen Menschen eine eigenständig, wertvolle Persönlichkeit. Es respektiert unsere Verschiedenartigkeit. Jeder Mensch ist einzigartig, keine zwei Menschen sind identisch. So hat jede Person ein eigenes Konzept, sein Leben zu gestalten. Die humanistische Sichtweise geht davon aus, dass jeder Mensch grundsätzlich Wachstum und Selbstaktualisierung anstrebt und ganz eigene Fähigkeiten zu Veränderung und Problemlösung in sich trägt. Diese Fähigkeiten können aus verschiedenen Gründen gewachsen sein. Störende Faktoren, wie Entwicklungsschwierigkeiten, traumatisierende Erlebnisse, mangelnde Förderung, Krankheit oder anderes können negativ Einfluss nehmen.
Im humanistischen Bild wird jeder Mensch in seiner ganzen Art und Ausdrucksweise ernst genommen, selbst wenn sie für andere zunächst unverständlich erscheinen. Für die betreffende Person ergeben sie einen Sinn. Diesen Sinn gilt es zu respektieren. In der Beratung hilft es zu wissen, dass wir Beratungspersonen dem eigentlichen Sinn nicht immer auf die Spur kommen müssen. Wenn wir es schaffen, einem Menschen mit der Einstellung zu begegnen, dass sein Verhalten eine Bedeutung hat, die wir nicht gänzlich verstehen müssen, ermöglicht dies einen freieren Zugang zum ihm. Unsere Haltung muss sein, sich in die Wahrnehmung und in das Empfinden des resp. der zu Beratenden einzufühlen. Allein schon, wenn wir versuchen zu verstehen, wird die Beziehung verändert. In dieser Haltung können wir dazu beitragen, dass verschüttetes Potential und schlummernde Ressourcen aufgeweckt werden können.
Für die Beratung heisst dies konkret, dass der Mensch für die Lösung seines eigenen Problems bereits alles mit in die Beratung bringt. Bei genügender Wertschätzung von Seite der Beraterperson wird er sich entfalten.